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Lignin

Lignin ist Kleber und Panzer des Holzes. Es füllt die Lücken zwischen den Cellulosefäden, versteift die Wand und hält Wasser und Pilze fern. Es ist auch der Grund, warum die Papierherstellung schwierig ist: Das Lignin muss herausgekocht werden.

Lignin ist ein aromatisches Heteropolymer unregelmäßiger Struktur, das durch radikalische Kupplung dreier Hydroxyzimtalkohole entsteht. Nadelhölzer enthalten mehr davon als Laubhölzer: Sjöström gibt 27,7 % für die Waldkiefer und 22,0 % für die Hängebirke an.

Die drei Bausteine des Lignins und ein schematisches Fragment. Die Anteile dienen nur der Veranschaulichung.

Bausteine

Lignin ist aus drei ähnlichen Molekülen aufgebaut. Jedes hat einen Benzolring und eine kurze Seitenkette aus drei Kohlenstoffatomen. Sie unterscheiden sich nur in der Zahl der Methoxylgruppen am Ring: keine, eine oder zwei. Die daraus entstehenden Einheiten heißen H, G und S.

Die Monolignole sind p-Cumaryl-, Coniferyl- und Sinapylalkohol; im Polymer bilden sie p-Hydroxyphenyl- (H), Guajacyl- (G) und Syringyl-Einheiten (S). Grundlage ist jeweils eine C6-C3-Phenylpropaneinheit. Nadelholzlignin besteht fast vollständig aus Guajacyl-Einheiten (mit etwas H), Laubholzlignin ist ein Guajacyl-Syringyl-Lignin, und Gräserlignine enthalten alle drei.

Wie das Polymer wächst

Lignin hat keinen Bauplan. Enzyme verwandeln die Alkohole in reaktive Radikale, und diese verbinden sich zufällig miteinander. Jedes Ligninmolekül ist einzigartig, daher ist eine Ligninformel im Lehrbuch immer nur eine Skizze.

Monolignole werden durch Peroxidasen und Laccasen zu Phenoxyradikalen oxidiert, die kombinatorisch kuppeln, ohne Matrize und nach der anerkannten Theorie ohne enzymatische Kontrolle der Stereochemie; die Kette wächst überwiegend durch Anlagerung eines Monomers an das Polymerende. Lignin ist daher optisch inaktiv und besitzt keine einheitliche Struktur; es wird durch die Anteile der Einheiten- und Bindungstypen beschrieben.

Bindungen zwischen den Einheiten

Meist sind die Einheiten über ein Sauerstoffatom verbunden, die β-O-4-Bindung. Sie lässt sich relativ leicht spalten, und darauf beruht der Zellstoffaufschluss. Es gibt auch feste Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen, die sich kaum spalten lassen.

Die β-O-4-Bindung (Arylglycerin-β-arylether) macht etwa die Hälfte der Bindungen zwischen den Einheiten im Nadelholzlignin und etwa 60 % im Laubholzlignin aus. Der Rest sind C-C-Bindungen (β-5, 5-5, β-β, β-1) und 4-O-5-Diarylether. In S-Einheiten trägt die Position C5 eine Methoxylgruppe, daher können sie nicht über C5 verknüpft werden: Sie bilden keine 5-5-Bindungen und können an β-5- und 4-O-5-Bindungen nur von der anderen Seite teilnehmen. Laubholzlignin ist daher weniger kondensiert und beim Aufschluss leichter zu entfernen.

Wie Lignin entfernt wird

Um Papier herzustellen, wird Holz mit Chemikalien gekocht, bis sich das Lignin löst. Übrig bleiben fast reine Cellulosefasern. Das gelöste Lignin wird im Werk verbrannt und liefert die Energie für das Werk selbst.

Beim Sulfatverfahren (Kraftverfahren, NaOH und Na2S) werden β-O-4-Bindungen gespalten, und Ligninfragmente gehen in Lösung; die verbrauchte Lauge (Schwarzlauge) wird in einem Laugenrückgewinnungskessel verbrannt, der zugleich die Chemikalien regeneriert. Beim Sulfitverfahren wird Lignin sulfoniert und als Ligninsulfonate herausgelöst. Analytisch bestimmt man Lignin als Rückstand, der nach Behandlung mit 72%iger Schwefelsäure und anschließendem Kochen in verdünnter Säure unlöslich bleibt (Klason-Methode).

Farbe und Vergilbung

Lignin verfärbt sich leicht und dunkelt im Licht nach. Deshalb vergilbt Zeitungspapier in der Sonne, während weißes Büropapier, das fast kein Lignin enthält, lange hält.

Chromophore im Lignin und seinen Photooxidationsprodukten verursachen die Vergilbung von Holzstoff und ligninreichen Papieren. Der klassische qualitative Ligninnachweis, Phloroglucin mit Salzsäure (Wiesner-Reaktion), färbt verholzte Wände über Zimtaldehyd-Endgruppen (Coniferylaldehyd und Sinapylaldehyd) rotviolett.

Wichtige Fakten

Monomere
H, G, S
Einheit
C6-C3-Phenylpropan
Hauptbindung
β-O-4
Waldkiefer
27,7 %
Hängebirke
22,0 %
Nadelholz
G (+ etwas H)

Quellen zu diesem Kapitel

  1. Азаров В.И., Буров А.В., Оболенская А.В. Химия древесины и синтетических полимеров: учебник. 2-е изд. СПб.: Лань, 2010.
  2. Sjöström E. Wood Chemistry: Fundamentals and Applications. 2nd ed. San Diego: Academic Press, 1993.
  3. Ralph J. et al. Lignins: natural polymers from oxidative coupling of 4-hydroxyphenyl-propanoids. Phytochemistry Reviews 3, 29-60 (2004).
  4. Ek M., Gellerstedt G., Henriksson G. (eds.) Wood Chemistry and Wood Biotechnology. Pulp and Paper Chemistry and Technology, vol. 1. Berlin: De Gruyter, 2009.