Holzchemie,
vom Stamm bis zum Atom

Ein schwieriges Universitätsfach verständlich gemacht. Tauchen Sie ins Holz ein, mit russischen Lehrbüchern und internationaler Forschung als Wegweiser.

Bewegen Sie die Lupe: Das ist ein gefärbter Querschnitt eines Kiefernstamms

Sieben Vergrößerungsstufen

Stamm10 cm

Ein Baum wächst von außen, nicht von innen. Eine dünne Schicht unter der Rinde, das Kambium, bildet jedes Jahr eine neue Holzschicht. So entstehen die Jahresringe.

Das Kambium ist ein laterales Meristem zwischen Phloem und Xylem. Die äußeren Jahresringe bilden das wasserleitende Splintholz. Bei vielen Holzarten werden die inneren Ringe zu Kernholz: Die lebenden Parenchymzellen sterben ab, und Extraktstoffe reichern sich dort an.

Jahresring1 mm

Im Frühjahr bildet der Baum weite Zellen mit dünnen Wänden, um Wasser schnell zu leiten. Im Sommer werden die Wände dicker und die Öffnungen enger. So entstehen die hellen und dunklen Zonen eines Jahresrings.

Bei Nadelhölzern sind die Frühholztracheiden dünnwandig mit weiten Lumina und dienen vor allem der Wasserleitung. Die Spätholztracheiden sind dickwandig, radial abgeflacht und tragen den Großteil der mechanischen Last, daher ist Spätholz deutlich dichter.

Tracheiden50 µm

Kiefern- und Fichtenholz besteht fast vollständig aus langen, hohlen Zellen, den Tracheiden. Sie sind tot: Nur die Wände bleiben übrig, wie eine Wabe aus Röhren.

Tracheiden machen mehr als 90 % des Nadelholzvolumens aus und sind typischerweise 2-4 mm lang. Benachbarte Zellen sind über Hoftüpfel verbunden. Bei Laubhölzern leiten Gefäße das Wasser, während Libriformfasern für die Festigkeit sorgen.

Zellwand5 µm

Die Wand ist geschichtet wie Sperrholz. In jeder Schicht verlaufen die Cellulosefäden in ihrem eigenen Winkel. Die dickste Schicht, S2, verläuft fast in Längsrichtung der Zelle, und das macht Holz so zugfest.

Die Mittellamelle (ML) verkittet die Zellen miteinander und ist reich an Lignin. Darauf folgen die Primärwand P und die Sekundärwand: S1 mit Mikrofibrillen unter etwa 50-70° zur Zellachse, S2 unter 10-30° als Hauptteil der Wand und S3 unter 60-90°.

Mikrofibrille20 nm

Vergrößert man weiter, sieht die Wand aus wie Stahlbeton. Die Bewehrung sind dünne Cellulosefäden, der Beton ist Lignin, und Hemicellulosen verbinden beides.

Eine etwa 3 nm dicke Cellulose-Mikrofibrille enthält etwa 18-24 parallele Ketten mit stärker und weniger geordneten Bereichen. Hemicellulosen sind an ihrer Oberfläche adsorbiert; Lignin füllt die Zwischenräume und ist in Lignin-Kohlenhydrat-Komplexen kovalent an Hemicellulosen gebunden.

Cellulosekette2 nm

Cellulose ist eine Kette aus Tausenden Glucoseeinheiten. Jede Einheit ist gegenüber der vorherigen umgedreht, daher ist die Kette gerade und flach, und benachbarte Ketten haften über Wasserstoffbrücken aneinander.

Cellulose ist ein β-(1→4)-D-Glucan mit Cellobiose als Wiederholungseinheit von 1,03 nm. Der Polymerisationsgrad nativer Holzcellulose liegt bei etwa 10 000. Wasserstoffbrücken bewirken zusammen mit der hydrophoben Stapelung der Ketten ihre Kristallinität und Unlöslichkeit in Wasser.

Atome0,3 nm

Ganz unten gibt es nur drei Elemente. Etwa die Hälfte der Holzmasse ist Kohlenstoff, über 40 % Sauerstoff und etwa 6 % Wasserstoff. Stickstoff und Mineralstoffe machen nur Bruchteile eines Prozents aus.

Die Elementarzusammensetzung der Hölzer gemäßigter Breiten hängt kaum von der Holzart ab: etwa 50 % C, 6 % H und 44 % O; Stickstoff meist 0,1 % oder weniger, Asche meist unter 0,5 % (selten bis 1 %) der Trockenmasse.

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Woraus Holz besteht

Zwei Drittel des trockenen Holzes sind Kohlenhydrate, ein Viertel ist Lignin. Nadelhölzer enthalten mehr Lignin und Mannane, Laubhölzer mehr Xylan.

Daten nach Sjöström für Waldkiefer und Hängebirke, in % des trockenen Holzes. Nadelholzlignin ist fast reines Guajacyl-Lignin; Laubholzlignin enthält Guajacyl- und Syringyleinheiten.

  • Cellulose40,0
  • Glucomannan16,0
  • Glucuronoxylan8,9
  • Andere Polysaccharide3,6
  • Lignin27,7
  • Extraktstoffe3,5
  • Nicht erfasst0,3

Ein Quadrat entspricht 1 % der Holztrockenmasse. Sjöström 1993.

Drei Polymere halten einen Baum zusammen

Cellulose

Lange, gerade Glucoseketten, dicht nebeneinander gepackt. Sie bilden die festen Fäden der Zellwand. Baumwolle ist fast reine Cellulose, und das meiste Papier besteht hauptsächlich daraus.

Lineares Homopolysaccharid aus β-D-Glucopyranose-Einheiten, verknüpft durch (1→4)-glykosidische Bindungen. Die Ketten lagern sich zu Mikrofibrillen aus Cellulose I zusammen; im Holz überwiegt die Iβ-Form. Polymerisationsgrad etwa 10 000.

Monomer
D-Glucose
Bindung
β-(1→4)
DP
~10 000
Anteil
40-45 %
Schematisch, nicht maßstabsgetreu
Schematisch: Quellung der Wand zur Verdeutlichung übertrieben.

Wasser in der Zellwand

Frisch gefälltes Holz ist voller Wasser. Zuerst verlässt das freie Wasser die Zellhohlräume, und die Abmessungen ändern sich nicht. Erst wenn die Wände zu trocknen beginnen, schwindet das Holz und reißt.

Unterhalb des Fasersättigungspunkts (etwa 30 % Holzfeuchte) ist das Wasser an die Hydroxylgruppen der Zellwandpolymere gebunden, und seine Abgabe verursacht Schwindung. Die tangentiale Schwindung ist etwa doppelt so groß wie die radiale, deshalb reißen Stämme radial auf.

0%Fasersättigungspunkt ~30%120%
gebundenes Wasser
30%
freies Wasser
30%

Von Monomeren zu Harzen

Synthetische Polymere entstehen auf dieselbe Weise wie natürliche: Kleine Moleküle verbinden sich zu langen Ketten. Sperrholz und Spanplatten werden von solchen Harzen zusammengehalten.

Die Kettenpolymerisation (Additionspolymerisation) verknüpft Monomere ohne Nebenprodukte, zum Beispiel im Polyvinylacetat-Leim. Bei der Polykondensation wird beim Kettenwachstum ein kleines Molekül, meist Wasser, abgespalten: So härten Phenol-Formaldehyd-Harze und Harnstoff-Formaldehyd-Harze aus.

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Worauf dieser Atlas beruht

Jede Zahl auf dieser Website hat eine Quelle. Russische Lehrbücher geben die Struktur des Kurses vor; internationale Monografien und Fachartikel liefern die Details.

Russische Lehrbücher

  1. Азаров В.И., Буров А.В., Оболенская А.В. Химия древесины и синтетических полимеров: учебник. 2-е изд. СПб.: Лань, 2010.
  2. Лукаш А.А. Химия древесины: учебное пособие для вузов. СПб.: Лань, 2025. 129 с.
  3. Евстигнеев Э.И. и др. Химия древесины и синтетических полимеров. Ч. 1. Строение, свойства, химические реакции и производные целлюлозы: учебно-методическое пособие. СПб.: СПбГТУРП, 2010.

Internationale Monografien und Forschung

  1. Sjöström E. Wood Chemistry: Fundamentals and Applications. 2nd ed. San Diego: Academic Press, 1993.
  2. Fengel D., Wegener G. Wood: Chemistry, Ultrastructure, Reactions. Berlin; New York: De Gruyter, 1984.
  3. Ek M., Gellerstedt G., Henriksson G. (eds.) Wood Chemistry and Wood Biotechnology. Pulp and Paper Chemistry and Technology, vol. 1. Berlin: De Gruyter, 2009.
  4. Rowell R.M. (ed.) Handbook of Wood Chemistry and Wood Composites. 2nd ed. Boca Raton: CRC Press, 2013.
  5. Ralph J. et al. Lignins: natural polymers from oxidative coupling of 4-hydroxyphenyl-propanoids. Phytochemistry Reviews 3, 29-60 (2004).
  6. Ross R.J. (ed.) Wood Handbook: Wood as an Engineering Material. General Technical Report FPL-GTR-282. Madison, WI: USDA Forest Service, Forest Products Laboratory, 2021.